Südamerikanische Eleganz im Stade de la Pontaise: Die Jagd nach den Diamond-League-Trophäen in Lausanne!
Hintergrund-Bericht • Von Stefan Schuler für Savina Sport News
Wenn am 21. August 2026 das traditionsreiche Stade olympique de la Pontaise in Lausanne seine Tore für die diesjährige Athletissima öffnet, verwandelt sich die Westschweiz in das unbestrittene Epizentrum der globalen Leichtathletik. Das Meeting gilt seit Jahrzehnten als eines der stimmungsvollsten Events im gesamten Diamond-League-Kalender. In diesem Jahr ist die Ausgangslage besonders packend: Als drittletzte Station vor dem grossen Finale kämpft die absolute Weltelite unerbittlich um die entscheidenden Qualifikationspunkte für die begehrten Trophäen.
Die Anlage oberhalb des Genfersees ist berühmt für ihre schnelle Laufbahn und die dichte, enthusiastische Kulisse. Über 15.000 fachkundige Fans peitschen die Athleten regelmässig zu Höchstleistungen und Weltjahresbestzeiten. In diesem Spätsommer liegt ein ganz besonderer Fokus auf den Sportstars aus Südamerika und der Karibik, die mit ihrer unnachahmlichen Dynamik, Athletik und Eleganz sowohl die technischen Disziplinen als auch die geschichtsträchtigen Sprintstrecken dominieren wollen.
1. Karibische Expresszüge auf der Kurvenbahn
Die Sprintentscheidungen in Lausanne gehören traditionell zu den absoluten Höhepunkten des Abends. Wenn die Scheinwerfer der Pontaise auf die Startblöcke der 200-Meter-Distanz gerichtet werden, herrscht im Stadion knisternde Spannung. Hier schickt die Karibik ihre schnellsten Athletinnen ins Rennen, um der weltweiten Konkurrenz zu zeigen, wer das Tempo diktiert.
Shericka Jackson und die Fliehkraft von Lausanne
Über die 200 Meter der Frauen zieht die Jamaikanerin Shericka Jackson alle Blicke auf sich. Die zweifache Weltmeisterin liebt die Kurve in Lausanne, die eine extrem präzise Fliehkraft-Kontrolle erfordert. Wer hier zu früh aufrecht läuft, verliert wertvollen Schwung für die Zielgerade. Jacksons zweite Rennhälfte ist legendär: Sobald sie aus der Kurve schiesst, zündet sie eine Beschleunigungsphase, der kaum eine andere Sprinterin folgen kann. Ein Angriff auf Spitzenzeiten ist bei den warmen Abendtemperaturen fest eingeplant.
Hürdensprint der Extraklasse
Nicht minder hochkarätig sind die Hürdenstrecken besetzt. Jamaikas Hürden-Spezialistin Demisha Roswell stellt sich im 100m-Hürdensprint einem Feld, das nicht den kleinsten technischen Fehler verzeiht. Schon das leichteste Touchieren einer Hürde kostet im engen Feld die Podestplatzierung. Über die Langhürden (400m Hürden) will Rushell Clayton ihre Ausdauerqualitäten ausspielen und im direkten Duell mit der panamaischen Rekordhalterin Gianna Woodruff den Rhythmus bestimmen.
2. Fokus Dominikanische Republik: Die Lücke der Marileidy Paulino
Ein Name, der bei jedem grossen Leichtathletik-Meeting weltweit ganz oben auf dem Wunschzettel steht, ist Marileidy Paulino. Die stolze Repräsentantin der Dominikanischen Republik hat die 400 Meter flach der Frauen in den vergangenen Jahren absolut dominiert. Ihr unnachahmlicher Antritt und ihre elegante Aufrichtung auf den letzten 100 Metern sind das Markenzeichen des dominikanischen Sports geworden.
Da das Wettkampfprogramm der Athletissima Lausanne im Rahmen der jährlichen Disziplinen-Rotation der Diamond League in diesem Jahr keine flachen 400 Meter der Frauen als Hauptrennen vorsieht, fehlt Paulino auf den offiziellen Startlisten im Waadtland. Dieses Fehlen hinterlässt eine spürbare Lücke im lateinamerikanischen Aufgebot des Abends, unterstreicht jedoch gleichzeitig die enorme Bedeutung, die Paulino als globale Leitfigur hat. Ihr Erfolg in Santo Domingo inspiriert aktuell eine völlig neue Generation von dominikanischen Nachwuchssprintern, die in den kommenden Jahren in ihre Fussstapfen treten wollen.
3. Südamerikanische Flugshow in Sand und Luft
In den technischen Disziplinen wird am Freitagabend die sprichwörtliche „südamerikanische Eleganz“ in messbare Weiten und Höhen umgemünzt. Die Sprunganlagen in Lausanne liegen nah an den Tribünen, was den Athleten durch rhythmisches Klatschen der Fans zusätzlichen Schub verleiht.
Die Rhythmus-Künstler im Dreisprung
Besonders der Dreisprung der Männer verspricht ein Spektakel nach bester lateinamerikanischer Schule. Der kubanische Hallenweltmeister Lázaro Martínez demonstriert auf dem Anlaufsteg die perfekte Symbiose aus roher Kraft und koordinativer Leichtigkeit beim "Hop, Step and Jump". Kuba gilt seit Jahrzehnten als die unangefochtene Eliteschmiede für Dreispringer. Martínez wird herausgefordert vom brasilianischen Vorzeigeathleten Almir dos Santos, der die Farben der Seleção mit enormer Ästhetik vertritt, sowie dem Jamaikaner Jordan Scott.
Weitsprung-Krimi auf Weltklasseniveau
Beim Weitsprung der Männer kommt es zum Showdown der Flugkünstler. Das jamaikanische Erfolgs-Duo, bestehend aus dem Vizeweltmeister Wayne Pinnock und Ex-Weltmeister Tajay Gayle, trifft auf den Kubaner Jorge A. Hodelín. Pinnock zeichnet sich durch eine extrem hohe Anlaufgeschwindigkeit aus, die er millimetergenau auf das Absprungbrett bringen muss. Der Anlauf in der Pontaise ist bekannt für wechselnde Winde, die von den Hängen herabwehen – hier ist absolute Nervenstärke gefragt.
4. Die Speerwurf-Giganten aus der Karibik
Der Speerwurf-Wettbewerb wird die Luft im Stadion zum Schneiden bringen. Der zweifache Weltmeister Anderson Peters aus Grenada ist bekannt für seine explosive Abwurfdynamik. Er versteht es perfekt, den Speer flach und aerodynamisch in den Abendhimmel zu jagen. Zusammen mit dem Olympiasieger von 2012, Keshorn Walcott (Trinidad & Tobago), bildet er eine karibische Allianz, die den Stadionrekord im Stade de la Pontaise ins Visier nimmt.
Bei den Frauen ruhen die südamerikanischen Hoffnungen ganz auf der Kolumbianerin Flor Denis Ruiz Hurtado. Ihre saubere Technik im Fünf-Schritt-Anlauf und ihre enorme Nervenstärke bei den entscheidenden Versuchen machen sie zu einer der Top-Favoritinnen des gesamten Meetings.
5. Stadion-Faktoren und Taktik in der Pontaise
Die Bedingungen in Lausanne verlangen den Athleten strategische Höchstleistungen ab: